Officium

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Amazon.de Price: 16.99 (as of 09/07/2022 19:17 PST- Details)

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Achtung HIER: Jan Garbarek The Hilliard Ensemble Officium: ECM ; 1994; CD

Rezension

Ein Kunstwerk zu beschmieren, gilt gemeinhin als Barbarei – das hat nicht einmal der inzwischen zur Figur der Kunstgeschichte erhobene Sprayer von ZĂŒrich gewagt. Und nach der Reinigung der Fresken in der Sixtinischen Kapelle dĂŒrfte Rom fĂŒr alle SaubermĂ€nner und -frauen der Welt ein kulturpolitisches Reiseziel sein. Aber was etwa der Österreicher Arnulf Rainer mit ĂŒbermalten Fotos der Atombombenkatastrophe von Hiroshima und anderen Vorlagen kĂŒrzlich in Wien, was Dieter Schnebel mit der orchestralen ÜbertĂŒnchung von Schuberts Fantasie-Sonate gewagt hat, gilt lĂ€ngst als schöpferische Kategorie der authentischen Zeitebenen-Vermischung in der Kunst. Auf nachschöpferischem Gebiet haben Vergleichbares nun der Jazz-Saxophonist Jan Garbarek und das A-cappella-Quartett der Hilliards versucht. Das Ensemble singt von gregorianischer Einstimmigkeit (um ein harmonisches BaßgerĂŒst bereichert) ĂŒber frĂŒhe niederlĂ€ndische Polyphonie (Perotin, Dufay) bis hin zu deren Höhepunkten bei Pierre da la Rue und CristĂłbal de Morales sakrale SĂ€tze, die Garbarek mit dem Sopran- und Tenorsax kommentiert. Sie sind teils als improvisatorische Arabesken ins kirchentonartliche Umfeld gesetzt, können sich aber auch harmoniefremd als Konfliktpotential in der akustischen Übermalung verselbstĂ€ndigen. 150 Jahre nach Adolphe Sax’ Erfindung des Saxophons wird das Jazz-Instrument, das einst bei Jules Massenet als psychedelisch transzendierende Kraft in der E-Musik eingesetzt war, fĂŒr diese zurĂŒckgewonnen. Das dĂŒrfte manchen Jazz- und Klassik-Fan irritieren, aber das einzige, was man Garbarek vorwerfen kann, ist, daß er nicht noch weiter in der konfliktreichen VerselbstĂ€ndigung seines Instruments gegangen ist. Dem trĂ€gt die Tontechnik Rechnung, indem sie das Saxophon zu stark in den Vordergrund stellt. Dennoch: eine faszinierende Klangreise ĂŒber 77:41.

© Stereoplay — Stereoplay

Wunderbar rein und klar klingen die Stimmen des Hilliard Ensembles, und ebenso natĂŒrlich schlĂ€ngeln sich Jan Garbareks Tenor- und Sopransaxophon durch die mittelalterlichen GesĂ€nge der vier Briten. Wie eine fĂŒnfte Stimme wirken die Saxophon-Töne, und doch bewahren sie eine hauchfeine, angenehme Distanz zu den 15 GesĂ€ngen aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Die Begegnung fiel so intensiv aus, daß sich nach GĂłreckis ruhmreicher 3. Symphonie und den gregoriantischen GesĂ€ngen der spanischen Mönche womöglich ein neuer Klassiker-Hit anbahnt.

© Audio — Audio

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